Archive for Juni 29th, 2009

Weiterbilden, Schummeln und die Frage nach dem Talent

Wer hier mitliest, hat vielleicht mitbekommen, dass ich für mich ein neues Steckenpferd gefunden habe: die Fotografie. Ich bin wirklich noch ganz am Anfang, habe genaugenommen ungefähr 0,5 Ahnung. (Immerhin weiß ich, daß man dazu einen Fotoapparat benötigt! *stolzbin*)

Gestern bin ich mal für meine Verhältnisse so richtig “in die Vollen” gegangen. Normalerweise bin ich nicht der Typ, der sich gut Infos anlesen kann, für mich ist es immer angenehmer, wenn mir eine Person etwas erzählt, bei der ich auch meine speziellen Fragen stellen kann. (Vielleicht stelle ich auch deshalb hier im Blog so viele Fragen, für die ich mich nach einem halben Jahr voller Weiterbildung schrecklich schämen werde… ) Jedenfalls bin ich gestern schwer durch die allwissende Müllkippe gesurft und habe gelesen. Ich habe tolle Tutorials gefunden zum Thema Fotografie und Bildbearbeitung, Mediengestaltung und noch vieles mehr. Ich habe viele Artikel gelesen und mir so meine Gedanken gemacht.

Ich gestehe, irgendwie kommt es mir ein bißchen wie “Schummeln” vor, wenn einem Foto zur vollkommenen Schönheit ein wenig nachgeholfen wird. Ich habe dazu gestern einen ganz dummen Kommentar geschrieben, den ich kurz darauf aber wieder gelöscht habe, weil er so schrecklich negativ war. Ich betone nochmal mein Einsteigertum, und daß ich wirklich noch keine Ahnung von der Materie habe. Aber es hat mich schon ein wenig geschockt, daß die Fotos, die man so findet und für toll oder künstlerisch wertvoll hält, allesamt nachbearbeitet zu sein scheinen. Gestern noch hat mich der Gedanke daran irgendwie gestört, mir kamen Ideen wie “Betrug!” und “das kann ja dann jeder!”. Schrecklich negativ also.

Dann habe ich darüber geschlafen. Und heute morgen, bei Sonnenschein erwacht, sieht meine Filosofie schon ganz anders aus. Wenn die meisten Bilder nachbearbeitet sind, dann bedeutet das ja schließlich auf der anderen Seite auch, daß der Himmel woanders eben nicht viel blauer ist als über mir! Da war nicht unbedingt ein glücklicher Fotograf zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um dieses wundervolle Azurblau abzulichten, sondern er hat ein klitzekleines bißchen an der Gradiationskurve geschoben und dann wars erledigt! (Natürlich ist das jetzt wieder überspitzt ausgedrückt, auch das Nachbearbeiten ist eine Wissenschaft für sich, die erst gelernt werden will!) Das bedeutet dann im zweiten Schritt: “Richtig, das kann dann tatsächlich jeder, also auch ICH! Ich kann mir meinen Himmel genauso herrlich blau machen, hier, mit nur zart hellblauem Himmel, gehts mir also nicht schlechter als jemand anderem woanders!” Na wenn das nicht gleich eine deutlich positivere Sicht der Dinge ist!!

Über hier bin ich dann auf diesen hervorragenden Blog gestoßen: kwerfeldein.de von Martin Gommel. (Wahrscheinlich kennt den sowieso schon wieder jeder außer mir, aber ich wollts trotzdem mal erwähnt haben… ) Er untertitelt sein Werk mit “Digitale Fotografie lernen”, und da bin ich ja genau an der richtigen Stelle. Ich hätte vermutlich schon viel früher mit der Knipserei begonnen, wenn ich für mich nicht immer beschlossen hätte, daß ich weder Auge noch Talent dafür habe. Das sind zwei Eigenschaften, die diese ganzen beneidenswerten Künstler haben, ICH aber nicht. Und wenn ichs nicht hab, brauche ich mich also der Frustration des Versuchens und Scheiterns erst gar nicht auszusetzen. Ach nein, schon wieder so negativ.

Während meiner Zeit als Bloggerin ist mir aber aufgefallen, daß sehr sehr viele Menschen richtig tolle Fotos knipsen können! Und die sind nicht alle Berufsfotografen oder Künstler, nein, viele davon sind einfach Menschen, die Spaß an der Materie haben, sich damit beschäftigen, lernen und vor allem: einfach machen! So langsam dämmerte mir dann, daß es vielleicht die klitzekleine Möglichkeit gibt, dass auch ich bei Einhaltung gewisser Regeln wesentlich bessere Ergebnisse erzielen könnte?!

Martin Gommel bringts in seinem Video in diesem Artikel wunderbar auf den Punkt:

1. Talent ist nichts, was man entweder hat oder nicht.Vieles kann man lernen!

2. Scheiß drauf und mach einfach!

Also das mit dem Talent möchte ich jetzt nicht ganz so unterschreiben, ich finde immer noch, daß es sicherlich Menschen gibt, die echtes Talent für künstlerisch richtig dolle Fotos haben. Das ist doch beim Klavierspielen auch so. Ich übe, ich nehme Unterricht, ich habe mich schon sehr verbessert, dennoch werde ich nie wie Lang Lang Konzertsäle füllen. Macht aber auch nichts! Das ist gar nicht mein Anspruch! Mit meinem Klavierspiel bin ich zufrieden, ich werde weiterüben, mich weiter verbessern und bin damit glücklich! Das ist doch schließlich die Hauptsache, das ist das, worum es geht. Glücklich sein, mit dem, was man tut.

Genauso will ich es mit der Fotografie handhaben. Ich will lernen, ich will mir Grundwissen aneignen, ich will bessere Bilder “komponieren” können, ich will Bilder nachbarbeiten können, ich will einfach schönere Bilder schießen, als ich es jetzt im Moment tue. Sicherlich werden keine Kunstwerke à la Helmut Newton dabei herauskommen, aber auch das ist gar nicht mein Anspruch. Sie sollen schöner werden als bisher, sie sollen mir gefallen und meinem bescheidenen künstlerischen Anspruch genügen. Ich denke, das kann ich schaffen. Und jetzt ran ans Werk. Scheiß auf die ganzen Wenns und Abers, mach einfach, Ehefrau, mach und hab Spaß dabei! Und vielen Dank, Herr Gommel, Sie haben mir sehr geholfen!